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  • rgebhardt

Fraktur der Milchzähne: abwarten oder ziehen?



Das Milchgebiss ist nicht für ewig. Spätestens mit knapp 6 Monaten sollten alle Milchzähne ausgefallen sein. Nach und nach werden sie durch die bleibenden Zähne ersetzt. Gelegentlich sind Junghund oder Kitten zu übermütig und brechen sich bei ihren Kapriolen einen Milchzahn ab. Nicht schlimm, möchte man meinen, fällt ja ohnehin bald aus. Oder?


Der normale Zahnwechsel

Er beginnt um die 12. Lebenswoche mit dem Ausfallen der Schneidezähnchen und ist mit dem sechsten. Lebensmonat beendet. In diesem Alter sind alle bleibenden Zähne zu sehen, wachsen aber noch ein Stück in die Höhe und sind mit knapp einem Jahr richtig fest im Kiefer verankert. Schon bevor die Milchzähne beginnen zu wackeln, sind die bleibenden bereits vorhanden, unsichtbar als Zahnanlagen über bzw. unter den Wurzelspitzen der Milchzähne. Entwickeln sich aus den Zahnanlagen allmählich die bleibenden Zähne drücken diese auf die Wurzelregion des Milchgebisses. Dies löst den allmählichen Abbau der Milchzahnwurzeln aus. So lösen sich die Milchzähne nach und nach aus ihrer Verankerung und fallen aus. Manchmal findet man einen ausgefallenen Milchzahn. Die meisten werden allerdings einfach herunter geschluckt oder auf dem Spaziergang verloren. In den Lücken entsteht Platz für die bleibenden Zähne, die so die Gelegenheit bekommen, sich normal zu entwickeln und die korrekte Position einzunehmen.


Ein Milchzahn bricht ab

Milchzähne sind nicht so stabil wie die bleibenden und dementsprechend bei Unfällen anfälliger. Ein abgebrochener Milchzahn sollte immer kontrolliert werden. Ist die Bruchstelle zahnfarben ohne Verfärbung in der Mitte, dann ist der Zahn in sich noch geschlossen und es kann abgewartet werden. Insbesondere dann, wenn der Milchzahn ohnehin nur wenige Tage vor seinem „Ausfalltermin“ steht. Sollte die Pulpa (also die Nervenhöhle) eröffnet sein, muss gehandelt werden.


Milchzahnfraktur mit offener Pulpa

Eine offene Pulpa erkennt man ein einem feinen rosa Punkt in der Mitte der Spitze des frakturierten Zahnes. Rosa deshalb, weil dort neben Nerven auch Blutgefäße verlaufen, auf die man dann schaut. Warum ist hier Handlungsbedarf?

Zum einen, weil der arme Patient Zahnschmerzen hat, auch wenn er es vielleicht nicht so zeigt. Eine offene Pulpa hinterlässt ein Gefühl, wie man es bei empfindlichen Zähnen und dem Kontakt mit Eis kennt. Allerdings schlimmer, es zieht richtig durch. Hat der frakturierte Milchzahn noch einige Wochen Zeit bis zum Ausfallen, sollten Hund oder Katze das nicht so lange aushalten müssen.

Zum anderen entsteht ein weiteres Problem. Bleibt die Pulpa über einige Zeit offen, dringen Bakterien aus der Mundhöhle und der Umwelt in die Nervenhöhle ein und werden an die Wurzelspitze des Milchzahns transportiert. Diese richten zwar am Milchzahn keinen Schaden mehr an, da er seinen Dienst bald getan hat, sie verbleiben aber im Gewebe vor Ort und belasten den Folgezahn. Der entwickelt sich in der Folge entweder nicht gut oder leidet nach seinem Durchbruch schon früh an einer Wurzelspitzenentzündung. Damit wird eine Wurzelbehandlung oder gar die Extraktion des Zahnes bereits in jungen Jahren nötig. In der Zeit bis zur Diagnose des Problems hat der Patient erneut unter Zahnschmerzen zu leiden. Obendrein ist es schade um einen gesunden Zahn!


Die Extraktion ist Pflicht!

Überdenkt man die möglichen Komplikationen, kann man nachvollziehen, dass ein abgebrochener Milchzahn zeitnah gezogen werden muss. Der junge Patient erhält eine schonende Inhalationsnarkose und der geschädigte Zahn kann entfernt werden. Besonders wichtig ist es dabei, zu kontrollieren, dass der Zahnstumpf komplett entfernt wird. Gerade durch Stoßtraumata zerbrechen die Wurzeln häufig in kleine Einzelteile, die ausnahmslos alle entfernt werden müssen. Abschließend wird die Wunde mit selbst auflösenden Fäden vernäht. Sie heilt in der Regel komplikationslos binnen weniger Tage aus.

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